Die Formula Student ist eine großartige Herausforderung für Studenten aus aller Welt, die in Teamarbeit an ihren Hochschulen und Universitäten einen eigenen Formelrennwagen konstruieren. Mit diesem Fahrzeug wird in vielen verschiedenen Disziplinen gegeneinander angetreten.

Der Ursprung der Formula Student liegt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Mittlerweile finden zahlreiche Wettbewerbe auf der ganzen Welt statt und jedes Team kann Punkte für die Weltrangliste sammeln. Auf der „Formula Student Combustion“-Weltrangliste sind momentan ungefähr 500 Teams gelistet, auf der „Formula Student Electric“-Weltrangliste ungefähr 90.

Die Studenten lernen bereits während ihres Studiums unter Zeit- und Kostendruck ähnliche Aufgaben zu bewältigen, wie die, die anschließend im Berufsleben auf sie warten. Somit ist die Formula Student eine einzigartige praxisnahe Ergänzung zum Studium.

Die Teams müssen bei den Events schlüssiges Gesamtkonzept präsentieren. Aufgeteilt sind die Wettbewerbe in statische Disziplinen, die sich aus Businessplan Presentation, Cost Event und Engineering Design Event zusammensetzen. Hinzukommend die dynamischen Disziplinen Skid-Pad, Acceleration, Autocross sowie Endurance. Mit der Fuel Efficiency fließt der Verbrauch während des Ausdauerrennens, dem Endurance, in die Gesamtwertung mit ein.

Bevor man bei den dynamischen Disziplinen an den Start gehen darf, werden die Fahrzeuge durch Jurymitglieder der Formula Student auf ihre Sicherheit überprüft. Die Jury setzt sich aus Experten der Motorsport-, Automobil- und Zulieferindustrie zusammen.

Um bei einem Wettbewerb zu gewinnen, ist es nicht nur entscheidend, das Auto mit der besten Rennperformance und den besten konstruktiven Lösungen im Feld zu besitzen. Eine gute Finanzierungs- und Verkaufsstrategie ist dabei ebenso wichtig, wie ein astreiner Kostenbericht und eine detaillierte Konstruktionsbeschreibung. Das Team mit dem besten Gesamtpaket entscheidet den Wettkampf für sich.


Historie

Schon in den späten 70-ziger Jahren fand die Formula Student ihren Ursprung: anfangs ging es um die Konstruktion eines Geländefahrzeugs.

1981 rief die Society of Automotive Engineers (SAE) die Formula SAE® , das heute bekannte Formula Student Projekt in den USA ins Leben.

Schnell gewann der Konstrukteurs-Wettbewerb immer mehr an Aufmerksamkeit und auch die amerikanische Autoindustrie erkannte das Potential und viele Unternehmen stiegen 1987, zur Unterstützung der angehenden Ingenieure, als Sponsoren ein.

Seit 1998 veranstalten SAE und IMechE (Institution of Mechanical Engineers) in England die Formula Student.

Im August 2005 wurde zum ersten Mal die Formula Student Germany vom VDI (Verein Deutscher Ingenieure) auf dem Hockenheimring veranstaltet.

2010 wurde erstmalig bei der Formula Student Germany die Formula Student Electric, für Fahrezuge mit elektrischem Antrieb, sowie die Formula Student Combustion, mit Verbrennermotoren, ausgetragen.

Mittlerweile nehmen über 600 Teams weltweit an der Formula Student teil und mit der anhaltenden starken Unterstützung der Industrie, werden immer  weitere Universitäten und Hochschulen auf die erfolgreiche Formel-Serie aufmerksam. Die Wettbewerbe werden bis auf wenige Modifikationen nach denselben Regeln ausgetragen, so dass die Teams mit ihren Rennwagen an mehreren Veranstaltungen teilnehmen können.

Eine Übersicht über die Formula Student Teams weltweit ist auf der Formula Student Germany Homepage zu finden.


Weltrangliste

Die weltweiten Formula Student Wettbewerbe besitzen kein einheitliches Regelwerk. Zwar ist mit den Regeln der Formula SAE® ein Grundregelwerk vorhanden, dass von den Organisatoren der einzelnen Wettbewerbe übernommen wurde, doch hat jeder Wettbewerb seine eigenen Regeln hinzugefügt.Der Wunsch nach einer Vergleichbarkeit der weltweit vertretenen Formula Student Teams ist dennoch vorhanden. Und so haben die Organisatoren der Formula Student eine Weltrangliste aufgestellt, in die die letzten sechs Wettbewerbe der einzelnen Teams einfließen. Die verschiedenen Wettbewerbe werden mit Faktoren bewertet, wie z.B. die Wettbewerbsstärke des einzelnen Events. So können die Team ihre Erfolge mit denen anderer Teams vergleichen, gegen die sie, bedingt durch  finanzielle oder geographische Möglichkeiten, nicht direkt in den Wettkampf treten können. Ebenso lässt sich mitverfolgen, wie sich die Teams über die Jahre entwickelt haben.Nichtsdestotrotz betonen die Macher der Weltrangliste, dass es keine Gewinner oder Verlierer in der Formula Student gibt. Jedes Team, dass es schafft neben dem Studium einen Formula Student Rennwagen zu konstruieren, zu entwickeln, zu fertigen und ebenso zu testen und dann schließlich bei einem Wettbewerb gegen andere Teams anzutreten, ist ein Gewinner!

Reglement

Die Reglements der weltweit stattfindenden Events, sind mit kleinen Abweichungen stark an das Reglement der FSAE angelehnt. Dieses stellt für die Studenten, die einen Rennboliden konstruieren, um an der Formula Student teilzunehmen, eine Pflichtlektüre dar.Da die Sicherheit höchste Priorität hat, zielt der Großteil der konstruktiven Regeln auf diese ab und stellt somit einen Schutz für die Fahrer und Zuschauer dar.

Auf ca. 130 Seiten wird unter anderem ein 4-Takt Otto-Motor mit Einspritzung vorgeschrieben, wobei der Hubraum auf höchstens 610ccm begrenzt ist. Ebenso wird der Ansauglufttrichter auf 20mm Durchmesser reglementiert.  Des Weiteren ist das Rohrmaterial und der -durchmesser zwar frei wählbar, muss aber bestimmte Kriterien erfüllen. Zu den weiteren sicherheitsrelevanten Vorschriften zählt ein Frontalaufprallschutz ebenso, wie ein FIA Homologierter Sicherheitsgurt, feuerfeste Rennkleidung und eine Feuerschutzbarriere zwischen dem Motor und  dem Fahrersitz. Die Fahrzeuge wiegen erfahrungsgemäß zwischen 150 und 300 kg. Bei einer Leistung von bis zu 90 PS, ergibt sich dadurch ein Leistungsgewicht auf dem Niveau moderner Sportwagen. Damit sind hervorragende Fahrleistungen möglich. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in weniger als 4 Sekunden.


Technische Abnahme

Bevor ein Fahrzeug bei den Wettbewerben der Formula Student gefahren werden darf, muss es die Technische Abnahme bestehen.

  • Dieses sogenannte Scrutineering umfasst eine Inspektion, bei der  die Regelkonformität sichergestellt wird.
  • Bei dem Tilt Test wird das Fahrzeug um 45° und 60° geneigt, um zu überprüfen, ob Flüssigkeiten austreten und die Bodenhaftung gewährleistet ist.
  • Bei dem anschließenden Noise Test wird die Einhaltung der  maximalen Lautstärke von 110dBA kontrolliert.
  • Zu guter letzt muss jedes Fahrzeug noch den Brake Test bestehen bei dem alle vier Räder blockieren müssen.

„There are two really innovative forms of motorsport left: Formula One and Formula Student“

Ross Brawn